Ein Gespann vereint

Tagesetappe: Rastenberg - Leipzig - Machern

Tagesdistanz: 129,9 km

 

Nun ist Yin und Yang miteinander vereint, mein Fahrrad und der Anhänger. Dieser Morgen ist also der wirkliche Aufbruch, der Beginn meiner Reise.

Der Abschied am Morgen fiel mir viel schwerer, als der von meiner Familie. Von nun an würde ich für vier Monate kein bekanntes Gesicht, ja sogar keinen Ort sehen, den ich je zuvor gesehen habe. 

Nach dem letzten stärkenden Frühstück unter Freunden ging es also los in die weite, weite Welt. Richtung Osten und immer weiter.

 

Die ersten Kilometer mit dem Anhänger laufen wie geschmiert. Es rollt einfach. Deutschland überrascht mich erneut mit seinen schönsten Landstrichen. Die Felder fliegen scheinbar an mir vorbei. Aber mit jedem Kilometer macht sich ein immer stärker werdendes, bedrückendes Gefühl in mir breit. Die Einsamkeit holt mich ein. Das Bewusstsein, das ich in den nächsten Monaten keinen Halt haben werde, nicht einen kleinen Ast, außer den Kontakt nach zuhause frisst mich von innen heraus auf. Ein sehr unbekanntes, doch interessantes Gefühl.  Ich hätte nie gedacht, dass sich Einsamkeit so anfühlen könnte. Aus dieser Leere heraus beschließe ich meine heutige Route umzuwerfen und durch Leipzig zu fahren. Ich brauche Menschen um mich herum. Auf dem Land schienen die Dörfer wie leergefegt. Leipzig ist die richtige Entscheidung. Tausende Menschen wuseln durch das Gewirr der Straßen. Diese Aura lässt mich innerlich runterkommen. 

Die endgültige Medizin, die meine Einsamkeit besiegelt, ist eine Challenge an mich selbst. Ich möchte innerhalb von 7 Tagen 1000 km zurücklegen. Nach dem Motto erst mal mich selbst überwinden. Ein ambitioniertes Ziel. Immerhin muss ich im Schnitt jeden Tag 143km zurücklegen. Mal sehen was daraus wird. 

Meine heutige Fahrt findet schließlich ein wenig außerhalb von Leipzig auf einem Campingplatz ihr Ende. Erfreut über die Kulisse, baue ich mein Zelt direkt neben einem See auf. Zum Abendessen gibt es Selbstgekochtes mit dem Benzinkocher: Bulgur mit gebratenem Schinken und Tomaten. Ein wenig spartanisch, aber für’s erste Mal durchaus genießbar. 

Geschafft vom ersten Tag geht es ohne weiteres in den Schlafsack, nicht mal zum Lesen einer Seite reicht es noch. 

 

Challenge Tag 1: 129,9 km von 1000 km erreicht