Über die Grenze an meine eigenen Grenzen

Tagesetappe: Senftenberg - Primkenau 

Tagesdistanz: 156,4 km 

Challenge Tag 3: 427,3 km von 1000 km erreicht

 

Wo soll ich anfangen? Dieser Tag wollte einfach nicht so werden, wie ich es mir doch so bildhaft im Vorhinein erträumt hatte. 

Das waren meine Vorstellungen:

  1. ich stolziere gegen Morgen über die Grenze
  2. werde dort mit offenen Armen empfangen (das einzige was zutraf)
  3. bei Fragen aller Art können mir die Volksleute stets Antwort geben
  4. ich werde Möglichkeiten finden mich endlich zu waschen

 

Nach den ersten Kilometern folgte der Einkauf für den Tag. Im Anschluss war ich fest entschlossen: “Jetzt werden Kilometer gedrückt.“ Die Beine am Anschlag, ich voll motiviert, nur mein Fahrradnavi hatte nicht so Bock. Nach kilometerlangem Umweg ging es also schließlich in den Wald. Wie es auch kommen musste, war der Weg so unfassbar schlecht (Sand, nur Sand), dass meine Stimmung dadurch gegen null ging. Man darf es nicht falsch verstehen, ich denke in solchen Situationen nicht ans Aufgeben (weil, das gibt es bei mir nicht), sondern ich bin einfach enorm reizbar. Zu meinem Bedauern wollte der Weg einfach nicht enden, aber umkehren kam auch nicht in Frage. Deswegen sank meine Stimmung immer weiter. Als ich schließlich an der Grenze ankam, wurde ich belehrt, dass es nur wenige Übergänge gibt. Das heißt also noch mehr Umwege. AHHHH. 

Aber immerhin, ich hab es doch noch nach Polen geschafft, wenn auch erst gegen zwei Uhr. 

Auf den ersten Kilometern auf polnischem Boden wurden direkt einmal viele Klischees bestätigt. Der erste Pole dem ich begegnete hatte natürlich, wie könnte es auch anders sein, ein Bier in der Hand und eine mächtige Bierplauze. 

Im ersten Dorf, bei einer kleinen Rast, gesellte sich unverzüglich ein junger, hilfsbereiter Kerl zu mir. Mit neuen Ratschlägen hatte ich nun das Zeug richtig Stecke zu machen, um die Misere des Morgens auszugleichen. 

Mein Tagesziel, ein See von dem ich mir erhoffte, dass ich mich in ihm waschen könnte, da ich seit 3 Tagen nicht mehr geduscht hatte, entpuppte sich als Fischzucht. An diesem Tag hatte ich einfach kein wirkliches Glück. 

Aber meinen Wunsch mich zu waschen wollt ich nicht so einfach aufgeben. 

So ging ich von Haus zu Haus und versuchte so mein Glück. Zu meinem Entsetzen konnte nur leider keiner Englisch, Deutsch oder Französisch. Ich hatte keine Chance. Das ist ein richtig beschissenes Gefühl, wenn du mit Händen und Füßen versuchst dich zu verständigen und dich dennoch niemand versteht. 

Schlussendlich musste ich kapitulieren. Meine erhoffte Waschung beschränkte sich nun schließlich auf meinen mit Wasser gefüllten Faltkanister, den ich als Dusche umfunktionierte. Aber sauber war ich danach allemal nicht wirklich, doch zumindest etwas frischer. Was für ein Tag. Das einzige was mir der Tag mehr oder weniger gegeben hat, war die Bestätigung, dass ich selbst in solchen blöden Situationen weiter kämpfe und nicht aufgebe. Schließlich wollte ich ja selbst meine Komfortzone verlassen, um neue Lebenserfahrungen, wie auch immer, zu machen.