Endlich raus aus Warschau

Tagesetappe: Warschau - Rozan

Tagesdistanz: 106 km 

 

Nachdem ich meine letzten Tagen leider damit verbringen musste, meinen erheblichen Miseren entgegenzuwirken (neuer Übergangspass, neues Handy, neue Kamera), war es mein Plan, heute so richtig früh loszufahren, damit ich endlich raus aus Warschau komme.

Nur leider wurde aus diesem Plan wieder nix.

Beim Packen meiner Sachen fehlte auf einmal meine Regenjacke. Jetzt mag man wohl denken, ist ja nur eine Regenjacke, aber ohne könnte ich nicht wirklich fahren. Sobald ich nass bin, kann ich für diesen Tag quasi vom Rad steigen. Nach gründlicher Suche entschließe ich mich schließlich erneut zum anderen Hostel zu laufen, wo ich die erste Nacht in Warschau geschlafen habe und meine Sachen gewaschen habe. Natürlich war meine Hoffnung nur eine einfache Hoffnung ohne weiteren Erfolg. Betrübt mache ich mich also auf den zwei Kilometer langen Heimweg (zum derzeitigen Hostel, wo eben noch mein Fahrrad samt Gepäck steht). Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Aus heiterem Himmel fängt es plötzlich an zu regnen. Mit jedem Tropfen wird der Regen immer doller, und ich immer nässer. Als ich schließlich im Hostel ankomme, bin ich von oben bis unten durchnässt. 

 

Zu meiner Überraschung haben in Warschau die Geschäfte auch am Sonntag geöffnet. Das heißt, ich renne erneut durch die ganze Stadt und suche verzweifelt nach einer tauglichen Jacke. 

In einem größeren Einkaufszentrum konnte ich wenigstens relativ schnell eine Regenjacke finden und mich somit endlich, gegen halb zwölf, auf den Weg, raus aus Warschau, machen. 

 

Bis ich endlich wieder auf dem Land war, dauerte es jedoch einige Zeit. Die Stadt wollte kein Ende nehmen, und dann reite sich Dorf an Dorf. Wo das eine anfing, hörte das andere auf. Erst nach 80 km lag der leichte Geruch der Kornfelder wieder in meiner Nase. 

Die Einsamkeit schlägt wieder zurück. In den letzen zwei Tagen habe ich mich erneut sehr an das städtische Sein gewöhnt. Wann immer ich wollte konnte ich mich unterhalten. Das fehlt mir jetzt schon wieder sehr, direkt am ersten Tag. 

 

So liege ich alleine im Wald, in meinem Zelt bei Gewitter und selbstgekochten Bulgur mit Schmelzkäse (das war das einzig Essbare was ich noch bei mir hatte).