Von einer Pause in die nächste

Tagesetappe: Saulkrasty - Kabli

Tagesdistanz: 89,5 km

 

 

So lob ich mir die Reise. Nachdem ich schön ausgeschlafen und noch einmal erfragt habe, ob der Brief mittlerweile in Riga angekommen sei, führte mein weiterer Weg auf den Spuren der Baltikum Route, einem Radweg für Fernradfahrer wie ich später erfuhr. 

Nach wenigen Kilometern konnte man bereits das Meer durch das Geäst der Bäume am Straßenrand sehen. Ein unendliches Blau, mit sachten kleinen Wellen, die am Strand in einem tosenden Rauschen brechen.

Was für ein Gefühl. Mit einem Mal wurde mir schlagartig bewusst, wie weit ich von zuhause entfernt bin. 2143 Kilometer zwischen mir und Wiesbaden. 

Entlang der Autobahn (A1) ging es also in Richtung Norden. Parallel der Straße die Küste, die mal näher, mal ferner ist. Nach einer ersten Pause am Strand, bei der ich mich bereits mit zwei Deutschen und ein paar Jugendlichen unterhalten hatte, folgt nach 200 m der nächste Stopp. Am Wegesrand standen zwei Fahrräder mit Globetrotter-Packtaschen, das konnten nur Deutsche sein. Diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen. Seit dem Beginn meiner Reise hatte ich noch mit keinem anderen Radreisenden gesprochen, ja sogar überhaupt keinen anderen gesehen. So lernte ich Frank und Cori kennen, die von Tallinn runterfahren. Kurze Zeit später gesellt sich auch noch ein Kanadier zu uns, der sogar bis nach Neuseeland fahren will. Die Gespräche erwiesen sich als sehr wertvoll. Ich habe viele Tipps erhalten, so z.B. meinen heutigen Schlafplatz. 

Zudem ist es ungemein motivierend, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Doch das war noch nicht alles. Gegen Abend traf ich erneut einen Deutschen, der ebenfalls das Baltikum erradelt. 

Und weil heute mein Glückstag war, befand sich kurz vor der Grenze ein Stand mit kostenlosem, alkoholfreiem Bier, Chips, netten Leuten und einer gemütlichen Lounge. Eine weitere Pause… . 

 

Es kommt aber noch besser. Der Schlafplatz-Tipp erwies sich als besonders wertvoll. Auf einem kostenlosen Campingplatz schlief ich mit Blick auf das Meer ein.