Geburtstag einmal anders

Tagesetappe: Kemi - Rovaniemi

Tagesdistanz: 126km

 

Es hätte keinen schöneren Beginn für den Tag geben können, als auf meinem Strohbett aufzuwachen. Eine kühle Brise pfeift zwischen den Holzbalken der Scheune hindurch und streichelt sanft mein Gesicht. Ein richtig gemütlicher Start in den Tag. Nach getaner Arbeit, fahre ich los in Richtung Rovaniemi, der Heimat des Weihnachtsmannes. 

Kilometer für Kilometer schleiche ich dahin. Es zieht sich wie Kaugummi. Die Straßen scheinen so endlos. Von Horizont fährt man immer gerade aus weiter in Richtung Horizont. Kilometerlang keine Kurve. 

Nichts anderes als Wald, keine Veränderung. Das schlägt auf die Stimmung. Vor allem, wenn man von zuhause Bilder von einem Geburtstagskuchen geschickt bekommt ;-) . Das ist echt schwer. So ganz alleine dort auf dieser endlosen Straße. Verloren in der Wildnis. Ich bin kein Mensch der einen besondern Wert auf das Zelebrieren des Geburtstages legt, aber irgendwie wird einem durch die Gesellschaft schon eine gewisse Routine an diesem Tag anerzogen. Obwohl in diesem Moment so viele an mich denken, fühle ich mich verlassener als je zu vor. So fern von Zuhause. 

 

Entnervt rolle ich gegen Abend in Rovaniemi ein. Mein erster Eindruck ist durch meine innere Stimmung sehr beeinflusst. Dies sollte sich aber am Abend noch ändern. 

Mein heutiger Host über Coutchsurfing ist Ali. Wahrscheinlich war dies sogar der Auslöser für meine gedrückte Stimmung, da er sehr darauf drang, dass ich Bier mitbringe und ich keine Lust hatte, an meinem Geburtstag bei einem Säufer zu schlafen. Gott sei dank stellte sich dies als Missverständnis heraus und es ergab sich das komplette Gegenteil. Zwei Minuten dort und schnell ging es, in die zum Wohnelement zugehörige Sauna. Besser geht es ja nicht. Die ganze Last des Tages ausschwitzen und einem interessanten Gespräch lauschen. Ali ist ein Flüchtling aus dem Irak, der dort mehrere Situationen erlebt hatte, in denen er nur knapp mit dem Leben davon kam, weshalb er sich vor fünf Jahren entschlossen hat, nach Finnland zu kommen. Eine schwere Zeit für ihn, aber dafür eine enorme Sammlung an Erfahrungen, die er mir zu Teil kommen lässt. Genau nach solchen Menschen suche ich auf meiner Reise. 

Nach langen Gesprächen geht es mit ca. 15 anderen internationalen Studenten aus Indien, Frankreich, England, Deutschland, Österreich, Italien und Spanien in einen Pub. Dort lerne ich noch mehr interessante Menschen kennen. Von dem einen Gespräch in das nächste lebe ich diesen Abend einfach nur noch. 

 

Was für eine Wendung. Und ich dachte, ich werde meinen 19. Geburtstag nach 2 Tagen vergessen. Jetzt weiß ich, er wird mir ein Leben lang bleiben.