Was für ein sch*** Wetter

Tagesetappe: Vuotso - Inari

Tagesdistanz: 110 km

 

Die Sonne sieht man den ganzen Tag über nicht, kein einziger Strahl bricht durch die dichte Wolkenfestung am Himmel. Grau nur grau.

Die Landschaft hingegen könnte nicht schöner sein. Hügel und Täler, die sich zwischen den Seen entlang schlängeln. Rentiere, die verlegen über die Straße hoppeln und Steppen mit wenig verbliebenen Bäumen. 

Leider kommt diese Erhabenheit unter den meteorologischen Verhältnissen nicht voll zur Geltung. Anstatt dessen verschwindet diese Schönheit im Nebel und wartet auf bessere Zeiten. 

Es tröpfelt hier, mal dort. Noch nichts Weltbewegendes, weshalb ich glücklicherweise den Tag über trocken bleibe. Nur die Kälte frisst an der eigenen Kondition. Bei jedem Halt dauert es nicht lange und das Kalt nagt an der ganzen, äußeren Schale. 

Es ist keine Besserung in Sicht, so entschließe ich mich bereits nach zwei Tagen, erneut auf dem Campingplatz einzuziehen. Diese Wahl stellt sich als fundamental richtig heraus, da es den ganzen Abend und die komplette Nacht durch regnet. 

Bis um zwei Uhr nachts sitze ich also, froh diese Entscheidung getroffen zu haben, mit einem andere deutschen Radfahrer in der Küche und lausche gefesselt seinen Geschichten.

Er fährt schon seit Juli in Skandinavien und hatte nur Pech mit dem Wetter. Seit ca. 20 Fahrtagen am Stück ist er heute das erste mal wieder auf einem Campingplatz. Was er von den Orten erzählt hat, die ich noch erschließen werde, war fast ein wenig beängstigend. Es wird auf jeden Fall nicht leicht und zu recht die größte Herausforderung meines Lebens. Sturmböen, noch mehr Kälte, Anstiege, die einem die Lunge förmlich ausreißen, kein Essen und vor allem kalter Regen. 

 

Der Wetterbericht will mich leider auch nicht beglückwünschen. Es wird regnen, die nächsten Tage, ununterbrochen, Tag für Tag. Meine Grenzen werden immer weiter ausgedehnt. Das Jetzt wird ein Kampf, aber der Rückblick auf diese Zeit wird dafür umso intensiver und ich werde in den Kampf ziehen, Tag für Tag, Minute für Minute, Sekunde für Sekunde, bis das Übel ein Ende hat.