Panne mitten im Nirgendwo

 

Tagesetappe: Kunes - Kjollefjord

Tagesdistanz: 136km

bewältigte Höhenmeter: ca. 1800 m

 

 

Voller Vorfreude springe ich lebendig und voller Tatendrang aus dem Schlafsack, um so schnell wie möglich mit der Sonne im Nacken, die Landschaft in mich aufzusaugen. Der gestrige Tag bleibt kein Einzelfall, und so offenbart sich auch heute Norwegen in seiner vollen Schönheit. Zum Frühsport zwingen mich während der ersten zwei Fahrstunden die ersten 500 Höhenmeter, aber für diese Aussicht gerne. 

Das Ganze findet seinen Höhepunkt, als ich an einer Aussichtsplattform, ca. 400 m über dem Meeresspiegel, stehe. Die Welt so klein, so unberührt. Kein Haus, kein Mensch, nichts. In beide Richtungen der Straße sind es bestimmt 60 km zum nächsten Ort. Auf dieses Gefühl hatte ich gewartet. Ich bin im Nirgendwo angekommen. 

Und natürlich in diesem Moment fällt mir auf, dass der Mantel meines Anhängers an einer Stelle komplett durchgescheuert ist. Der Schlauch bläht sich bereits ein wenig heraus. Eine winzige Scherbe würde reichen und die Luft wäre schneller raus, als ich anhalten könnte. Keine Chance. Natürlich muss es an dem verlassensten Ort meiner Reise passieren. Nach kurzer Verzweiflung gehe ich im Kopf die verschiedenen Möglichkeiten durch. Kein Handyempfang, ein paar Pflaster, Kabelbinder und Panzertape. Diese extreme Situation erforderte Kreativität. Mit ein paar „Trostpflastern“ aufgeklebt, hoffe ich nun Meter für Meter, Kilometer für Kilometer, dass die Luft nicht entweicht. Der Hänger hoppelt hinter mir her. Jedes Schlagloch ein Zucken durch den ganzen Körper. Was für eine Höllentour! Die Landschaft gerät völlig in den Hintergrund, wie schade. Eine Pause nach der nächsten, immer wieder kontrollieren, ob noch alles im Rahmen ist. 

Nach Anstiegen, die kein Ende fanden, komme ich schließlich dann doch ohne weitere Probleme in Kjøllefjord an.

Überglücklich, aber doch recht erschöpft von all der Aufregung, baue ich zu später Stunde mein Zelt ganz in der Nähe vom Fährhafen auf, Wecker auf kurz vor 2 Uhr stellen....

Mein Plan schaut so aus, dass ich die Fähre am nächsten Morgen (um drei Uhr) nach Honningsvåg nehme, um von dort weiter zum Nordkap vorzustoßen. 

 

Diese Route kann ich nur empfehlen. Man umgeht dadurch die beiden Tunnel zum Nordkap, die für Radfahrer extrem gefährlich sein sollen, da es keinen extra Streifen gibt und der längste Tunnel (7km) bis auf 300 Meter unter dem Meeresspiegel verläuft. Zudem vermeidet man, einen Teil der Stecke doppelt zu fahren und bekommt somit Norwegen noch einmal von einer ganz anderen Seite mit.