Das Nordkap ist erreicht, fast.

 

Tagesetappe: Kjollefjord - Honningsvag - Nordkap

 

Um 3.00 Uhr nachts sammelt mich das Hurtigruten-Schiff in Kjøllefjord auf. Es geht auf die Insel Magerøya, auf der sich das Nordkap befindet. Heute ist es also so weit. Um 5.30 Uhr laufen wir im kleinen Hafen von Honningsvag ein. 

Gegen 6.00 Uhr stehe ich schließlich vor dem Wohnwagen zweier Freunde, Philipp und Niklas, deren Tour sich lustigerweise mit meiner kreuzt. Mit Niklas war ich in der Mittelstufe in einer Klasse. Auf dem Abiball seiner Schule (ich habe als Kellner an diesem Abend dort gearbeitet) erfuhren wir von unseren gegenseitigen Touren und so kam es, dass mir um 6 Uhr die Tür geöffnet wird, und ich in das erste motorisierte Vierrad auf meiner Tour steige.  

sm durchgescheuerten Mantels meines Anhängers geht es für mich heute keinen Meter per Fahrrad weiter. Sicher verpackt geht es also mit all meinem Hab und Gut im Campingwagen in Richtung Nordkap (ca. 30 km). Ein unbeschreibliches Gefühl, mal wieder in einem Auto zu sitzen. Ohne Kraftaufwand die Berge hoch zu schweben und das mit einer ordentlichen Geschwindigkeit. 

 

Der Tag ist noch lange und deswegen entscheiden wir uns spontan, das echte Nordkap, den wirklich nördlichsten Punkt Europas, zu erwandern. Dieser nördlichste Punkt Europas auf dem Festland / Insel ist nämlich nicht dort, wo die Touristenströme hin pilgern, sondern ca.
4 km westlicher. Auf dem Schild heißt es bereits 9 km Laufweg. Diese Info kommt jedoch nicht bei uns an. Wir ziehen einfach ohne Verpflegung los, in dem Glauben, dass wir sowieso spätestens in zwei, drei Stunden zurück sein werden. Weit gefehlt. Der ganze Marsch dauerte alles in allem acht ein halb Stunden und von Gehen war zum Schluss fast keine Rede mehr. Total gebeutelt, alle drei.
Der Weg ist von Steinen nur so übersät, was das Laufen sehr anstrengend macht, da man jeden Schritt bewusst planen muss. Was aber noch ein viel größeres Problem ist, ist, dass der Weg teilweise eher einem See gleicht, durch den man durchhüpfen muss. Somit war es für uns unmöglich, auf dieser Wanderung trockene Schuhe zu behalten. 

Doch diese ganze Tortur hat sich dafür auch zehnfach gelohnt. Auf einen Bergkamm, der sich bis an den nördlichsten Punkt erstreckt, geklettert, können wir bei bester Aussicht in Träumen schwelgen. Der Ort hat eine unbeschreibliche Aura. Entgegen dem Besucherzentrum, hat man hier einen harten Marsch hinter sich, der einem ein ganz anderes Erlebnis bietet.

 

Ja, ich bin nach ca. 4300 km an meinem großen Ziel angelangt. Das Nordkap liegt mir zu Füßen. Ich bin schlichtweg fasziniert und geplättet von der einzigartigen rauen Natur. Der Wind tobt.


Wir stehen also tatsächlich am nördlichsten Punkt Europas, dem Nordkap.

 

Erlebnis für Erlebnis spielt sich vor meinem inneren Auge ab. Ein Zeitraffer des Geschehenen. Es hat viel mit mir gemacht. Es hat mein Leben verändert. Ich würde es immer wieder machen. Es ist der größte Erfolg meines bisherigen Lebens. 

 

Zum "Besucher-Nordkap" haben wir es heute nicht mehr geschafft, zu gebeutelt von den Strapazen falle ich nach ein paar Brettspielen komatös in den Schlaf. Fazit: Nicht nur Fahrradfahren macht fertig.