Eine schwere Entscheidung

 

Tagesetappe: Nordkap - Silfar Canyon

 

 Nach wie vor ist der Mantel meines Anhängers platt. Ich brauche definitiv einen neuen. Doch weit und breit gibt es keinen Laden, der entsprechendes, noch ähnliches, zu erwerben bietet. Kein Fahrradladen /-werkstatt mindestens im Umkreis von mehr als 200 km. Was für ein Mist!

Aus der Idee, einen neuen Mantel über einen norwegischen Versandhandel zu bestellen und in die Nähe (z.B. an eine Poststelle) senden zu lassen, wurde leider auch nichts. Für Ausländer ist es quasi unmöglich, sich auf solch einem Portal anzumelden. Deutsche Händler liefern schon mal nicht nach Norwegen, und von zuhause schicken lassen scheitert eigentlich auch. Der Expressversand kostet ca. 90 €, und wer weiß ob es dieses Mal bis hoch in den Norden besser / schneller klappt wie nach Riga. Der Brief, den meine Eltern mir in wenigen Tagen nach Riga schicken wollten, ist mit fast einer einmonatigen Verspätung, tatsächlich am 18. August in Riga eingetroffen. Zu dieser Zeit war ich dann allerdings schon in der Mitte Finnlands, in Oulu, angelangt. Also auch diese Prozedur nicht nochmal.

 

Kurzum blieben mir heute Morgen zwei Möglichkeiten. Entweder die zwei Freunde (Niklas und Philipp) mit ihrem Campingwagen nehmen mich bis zu einem Couchsurfing Host in Lakselv mit, um dort für ein paar Tage zu bleiben und die Ware über meinen dortigen Gastgeber zu bestellen, oder ich fahre mit ihnen ein Stückchen weiter bis nach Rovaniemi. Dort gibt es mindestens drei Fahrradläden, mit der Wahrscheinlichkeit, dass sie einen passenden Reifen haben. Großer Nachteil daran, dass ich gegen meine Prinzipien der Reise handeln müsste, und ein langen Teil der Strecke via Auto zurücklegen würde. 

Diese Entscheidung macht es mir nicht leicht. Über mehrere Stunden bin ich am Hadern.

Die letzten Tage waren so schön mit den zwei anderen. Richtiger Urlaub, in guter Gesellschaft und mit tief gehenden Gesprächen, habe ich auf eine andere Weise viel gelernt, was durchaus dem Interesse meiner Tour entspricht. Doch eigentlich ist der Plan, alles mit dem Rad zurück zu legen. Was solls.

 

Letztendlich habe ich mich nun für Rovaniemi entschieden. Das scheint die hoffentlich schnellste und sicherste Lösung für einen neuen Mantel für mein Anhängerrad zu sein.  Noch länger auf einem Fleck zu sitzen, darauf habe ich einfach überhaupt keine Lust. Zudem habe ich ja schon so viel alleine erlebt, diese Erfahrungen mit anderen zu diskutieren, kann bestimmt auch einen großen Wert haben. Vor allem ist ja ein Ziel dieser Reise: absolute Freiheit erleben. Wieso also nicht mit auf den Camper aufspringen und einfach nur Spaß haben. 

 

So geht es ein zweites Mal die schönste aller Straßen, die Fv 98, entlang. Dieses Mal erlebe ich sie aber ganz anders, nicht weniger schön, aber eben aus einem anderen Blickwinkel. So schnell und ohne Anstrengung, so leicht und ohne Wind. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es mit dem Fahrrad doch irgendwie das schönere, tiefergehendere, Erlebnis war. 

 

Zu Bett geht es heute am Silfar Canyon, den ich bereits Tage zuvor ja schon besucht hatte. Da flammen schon fast heimatliche Gefühle in mir auf.