Go hard or go home

10. September 2017:

Tagesetappe: Burträsk - Umeå 

Tagesdistanz: 106 km

 

09. September 2017:

Tagesetappe: Österjörn - Burträsk

Tagesdistanz: 101 km

 

Was es heißt, Grenzen zu überschreiten, das habe ich auf dieser Tour allemal gelernt. Es regnet und regnet wieder. Das Grau am Himmel will sich einfach nicht vom Fleck bewegen. Ein tosender Lärm weckt mich auf. Dicke Tropfen trommeln nur so auf mein Zelt ein. Und bei diesem Wetter soll ich mich aus dem Schlafsack bewegen, und mir freiwillig den Regen ins Gesicht blasen lassen???

 

Eine Sache steht fest: Das nächste Mal nehme ich definitiv ein größeres Zelt mit. Mein Einpersonen-Zelt ist an Regentagen wie eine Besenkammer: klein, voll mit allen Reiseutensilien und so gut wie kein Platz, um mich darin zu bewegen. In dem ganzen Schlamassel sich dann auch noch anziehen und die nötige Motivation, den Schritt nach draußen zu wagen, um dann das Zelt im Regen abzubauen, benötigt einiges an Willen, den ich mir zuvor erst durch ein ausgedehntes Frühstück anfuttern muss. Mein Fazit: wenn ihr euch auf eine solche Tour (über mehrere Wochen / Monate) machen wollt, nehmt definitiv ein Zelt, welches für eine weitere Person konzipiert ist. 

 

Gegen den Regen habe ich mittlerweile einige kleine Tricks auf Lager, so dass ich nicht ganz unbewaffnet in den Kampf ziehe.
Mehrweg-Küchenhandschuhe sind unvermeidbar, damit die Hände trocken bleiben. Plastiktüten über die Schuhe,  Regenhose und einen Plastik-Regenponcho (eine dieser billigen Einwegregenjacken). Wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Fürs erste bin ich also für den nächsten Regen gewappnet. In diesem Sinne geht es für heute wieder los.

Doch schon bald wird der Regen förmlich durch die Haut gedrückt. Es plätschert, als hätten die Wolken ihren Wasserhahn voll aufgedreht. Ungefähr so, wie wenn man im Auto sitzt und der Regen so richtig anfängt zu nerven, weil gefühlt gleich der Scheibenwischer abfliegt, man aber trotzdem noch nicht richtig sieht. 

Eine spannende Erfahrung. Irgendwann, ist mein Körper nur noch eine Hülle. Den Schmerz der Kälte nehme ich nicht mehr wahr und die Nässe ist nur noch Nebensache. Alles spielt sich in meinem Kopf ab, ich lebe in meiner Gedankenwelt. Mein Geist und mein Körper zwei von einander getrennte Mechanismen. Die Beine treten einfach. 

 

Am Abend des zweiten Tages finde ich schließlich meine Ruhe bei einem weiteren Host in Umea. Es ist auch oberste Eisenbahn, da wieder mal so gut wie fast alles durchnässt ist. Bei selbst gebackener Pizza, von einem echten Italiener (Francesco, mein heutiger Host, kommt aus der Toskana, lebt aber schon seit Jahren in Schweden), und netten Gesprächen nimmt dieser herausfordernde Tag ein leckeres Ende.