Bless the lord

Tagesetappe: Nordmaling - Örnsköldsvik - Kramfors

Tagesdistanz: 147 km 

 

So schnell kann es gehen. Am Morgen liege ich noch frustriert im Zelt. Es regnet schon wieder. Dieses Mal sogar mit zeitweise lautem Donnern. Bei der ersten Regenunterbrechung ergreife ich die Initiative, schwinge mich auf und baue das Zelt so schnell ab wie es nur geht. Binnen einer Stunde auf dem Rad reißt der Himmel, zu meiner größten Überraschung, schließlich völlig auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Mit der Zeit verschwinden die Wolken immer mehr und die Landschaft wird dadurch mit einem Mal wieder viel schöner. Weite Seen, Berge mit Skihängen, und belebte Täler zeigen sich in all ihrem Charme. Ich fahre und fahre den ganzen Tag lang.

 

Das gute Wetter muss genutzt werden, weshalb ich meine Stirnleuchte zu später Stunde auspacke und noch bis spät in die Nacht weiter fahre. Im Dunkeln zu fahren ist noch einmal eine ganz andere Erfahrung. Der Hör-Sinn gewinnt an Stärke, doch die Sicht schmälert sich dafür maximal. Die wirklich supertolle Stirnlampe, die ich von Ledlenser bekommen habe, erweist mir in dieser Zeit supertolle Dienste.

Ganz alleine fahre ich über Stock und Stein immer tiefer durch den Wald und versuche, so vielen Schlaglöchern wie möglich auszuweichen. Leider klappt es nicht immer. Beim endgültigen Tagesstopp muss ich zu meinem Entsetzten feststellen, dass bei meiner nächtlichen Fahrt mein Faltschloss verloren gegangen ist (leider hat es sich vermutlich durch die vielen Schlaglöcher unbemerkt aus meinem Anhänger davongemacht). So ein Mist!

Ohne Schloss bin ich so gut wie aufgeschmissen. Damit entfällt mir die Möglichkeit, in den Supermarkt zu gehen, um Essen zu kaufen. Diese Situation macht mal wieder klar, wie wichtig jeder einzelne Gegenstand auf meiner Reise ist. Auf fast nichts kann ich verzichten. Ohne Toilettenpapier, Löffel oder Stirnlampe… wäre ich einfach aufgeschmissen.  Selbst die kleinen Dinge haben einen so großen Stellenwert. 

Und dies gepaart mit der Tatsache, dass ich alles, was ich zum Leben derzeit benötige, auf einem Anhänger mit mir führe, der nicht sonderlich geräumig ist. 

 

Dennoch stelle ich immer wieder fest, wie wenig wir eigentlich benötigen und wie schön es doch ist, den kleinen Dingen einen so großen Wert zuzuschreiben. Wir könnten mit so viel weniger auch sehr glücklich, oder vielleicht sogar noch glücklicher, sein. 

 

Nun ja, morgen muss ich mir dann wohl doch, zu meinem sicheren Glück, dringend ein gutes / sicheres Fahrradschloss besorgen, denn mein zweites mitgeführtes leichteres Schloss dient eigentlich nur um meine Habseligkeiten zeitweise fest auf dem Anhänger zu sichern. 

Mein morgiges Ziel ist Sundsvall, mal wieder eine größere Kleinstadt, so dass ich da sicher mit einem Fahrradschloss fündig werde. 

 

Gestärkt habe ich mich nach der heutigen Tour mit einer selbst gemachten Chili Con Carne.