Die Route macht Probleme

Tagesetappe: Umea - Nordmaling

Tagesdistanz: 94 km

 

Der Regen fällt. Ich sitze, vom Rest der Welt verlassen, in einer kleinen überdachten Bushaltestelle und fülle mein Energiedepot (was ziemlich weit unten ist) mit ein paar Äpfeln wieder auf. Die Stimmung liegt blank. Der Regen plätschert auf das Blechdach, ein lautes Tosen. Mitten im Nirgendwo.

 

Am Morgen habe ich ein letztes Mal (vorerst, vielleicht komme ich ja wieder) das wirklich schöne Umea durchkreuzt und befinde mich nun
30 km weiter, wie gesagt,  irgendwo im Nirgendwo.

Ich weiss nicht, wie es weitergehen soll. Auf meiner Landkarte ergibt sich mir keine ersichtliche Route. Nur die Autobahn E4 verläuft in die gewünschte Richtung. Der ganze Straßenrest ist ortogonal zu dieser angeordnet. Wieso kann es nicht einfach eine Straße für langsamere Vehikel in Richtung Süden geben?

Von dem im Internet versprochenen Radweg endlang der baltischen Küste ist zudem auch nur sehr sporadisch etwas zu sehen. Er ist wirklich sehr schlecht ausgeschildert. 

 

Kurz davor die Autobahn zu nehmen, was ohne Seitenstreifen die Hölle ist, kann ich dann doch noch, durch ein paar geänderte Einstellungen, mit Hilfe meines Fahrradnavis eine Route in Richtung Sundsvall finden.

Von Umea nach Sundsvall sind es über die Autobahn, also der direkte Weg, 250km. Da ich aber mehr oder weniger Zick-Zack fahre, muss ich sogar 350 km für dieselbe Strecke fahren und das Ganze teilweise über Waldwege, die seit Jahren nicht befahren wurden und deswegen fast unbefahrbar sind. Was wiederum heißt, dass man nicht einmal Geschwindigkeit aufnehmen kann. Dafür bleibt mir immerhin das ewige Gehupe und die Angst, auf der E4 überfahren zu werden, erspart. 

Ursprünglich war ich der Ansicht, dass man ein Fahrradnavi nicht wirklich benötigt, da es ohne dessen Navigation ein viel größeres Erlebnis sein könnte. Hier in Schweden bin ich ein wenig anderer Meinung. Ohne geht es fast gar nicht. Google Maps gibt mir eine Route über die Autobahn und die Papierkarte versagt komplett. 

Jedenfalls finde ich am Abend eine schöne Wiese und zugleich spaltet sich der Himmel und die Sonne schaut zumindest einmal vorbei. Somit ist die Tagesstimmung wieder gerettet.

 

 

Mit den viel gefürchteten Mücken hatte ich auf dieser Reise bis jetzt noch überhaupt kein Problem. Ein, zwei  Abende wurde ich ein wenig befallen, aber dass ließ sich vermeiden, indem ich in mein Zelt geflohen bin. Generell soll es dieses Jahr nur eine sehr geringe Population dieser nervenden Flugbiester geben, weil der Sommer erst sehr spät einsetzte, bzw. nicht wirklich da war. Hier in Schweden kann man sich hingegen schon mit mehr Mücken rumschlagen. Aber alles in einem passablen Rahmen. Vor allem, weil man tagsüber auf dem Rad zum Glück überhaupt nicht angefallen wird.