Die schlimmsten hundert Kilometer meiner Reise

 

Tagesetappe: Kramfors - Sundsvall

Tagesdistanz: 104 km

 

Irgendwann muss es einen ja einholen. Auf den ersten Kilometern rollt es noch halbwegs, doch schnell stelle ich fest, dass die nötige Kraft heute ausbleibt. Bereits nach kurzer Zeit bin ich so fertig, dass ich eine erst Pause als Stärkung benötige. Neu gestärkt, erhoffe ich mir, dass es nun richtig los gehen kann, doch kurz darauf setzen Magenkrämpfe und Schlappheit ein. Als würde mein Magen sich in zwei Teile reißen wollen, durchfährt mich schubweise ein gellender Schmerz. Der steinige, mit Schlaglöchern übersäte Weg bringt das ganze Erlebnis so richtig in Schwung. Die Erschütterungen machen es noch viel schlimmer. Doch ich stehe felsenfest hinter meinem Ziel, Sundsvall am Abend zu erreichen. Teilweise schaffe ich gerade einmal einen Kilometer bis ich wieder anhalten muss, da sich mein Bauch dermaßen krampft, so dass ich nicht mehr auf dem Rad sitzen kann. Regen ist eine Sache, aber das war eine ganz neue, eine noch viel schlimmere Erfahrung, denn man weiß nicht, wie es weitergehen mag, bzw. was überhaupt sinnvoll für einen selbst ist. Ich fahre einfach weiter. Hier im Nirgendwo scheint es mit den Schmerzen doch auch nicht wirklich sinnvoll zu sein, wer weiß was noch so kommen mag. Daher beschließe ich eisern weiterzukämpfen.

In Sundsvall treffe ich schließlich, nach ewiger Tortour, ein. Auf dem Weg zu meinem Host besorge ich noch schnell ein neues Fahrradschloss, und kaum zu glauben, aber die Krämpfe lassen wieder nach. Es geht mir schon so gut, dass ich einem Eis nicht widerstehen kann. Etwas erleichtert, dass die Krämpfe wohl nicht zum Dauerbrenner werden, und was Schlimmeres dahinter stecken könnte, mache ich mich auf die Suche zu meinem heutigen Host, einem 31-jährigen Inder, namens Prashant. Er studiert Foto-Journalismus und lebt in einer WG.

 

Bei der kulinarischen Reise nach Indien geht es meinem Magen tatsächlich noch viel besser. Es ist glücklicherweise wieder alles okay. Warum, wieso, weshalb?... frage ich mich jetzt gar nicht mehr, sondern  vertiefe mich lieber in die spannenden Gespräche mit Prashant.