Ich stehe mir selbst im Weg

 

Tagesetappe: Ockelbo - Gysinge

Tagesdistanz: 104 km 

 

Wälder, nichts als Wälder, und dann sieht man Bilder von anderen Radreisenden auf Instagram, die gerade in Australien durch ein Outback radeln. Der direkte Gegensatz. Über sandige Wüstenpisten, oder auf überschwemmten Straßen. Das wäre doch auch was. 

Die Herausforderung auf meiner Reise hat nachgelassen. Jeden Tag die selbe Routine: aufstehen, frühstücken, Zelt abbauen, alles einpacken, fahren, Mittagspause, fahren, Zelt wieder aufbauen, kochen und den Bericht vom heutigen Tag schreiben.

 

Im Baltikum, Finnland und Norwegen, gab es hingegen jeden Tag etwas Neues zu erleben. Entweder hat mich die Landschaft umgehauen oder ich habe etwas Neues ausprobiert… . Mittlerweile hat sich diese Flut an neuen Erfahrungen so drastisch vermindert, dass ich tagsüber quasi nur versuche, so schnell wie möglich zu meinem abendlichen Zeltplatz zu gelangen. 

 

Schweden ist ohne Frage ein unheimlich schönes Land und hat vieles zu bieten, aber nach all dem, was ich erlebt habe, eben nichts mehr wirklich ganz Neues. Es erinnert mich zu sehr an Deutschland.  Jeden Tag komme ich mittlerweile durch immer größer werdende Städte. 

Das gleiche spiegelt sich auch in meiner Gedankenwelt wider. Wahrscheinlich ist dies sogar noch belastender, als die ausbleibenden neuen Erlebnisse. Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Nach einer so langen Zeit alleine, hatte ich so viel Zeit über Diverses nachzudenken, dass ich vorerst nicht mehr weiter komme. Es ist an der Zeit meine Entschlüsse und Gedanken in der Realität anzuwenden. Auf dieser Reise fehlen mir dazu jedoch leider die Ressourcen, die Zeit und einige beständige Locations. So viel Tatendrang, der nicht ausgelebt werden kann, schlägt auf das Gemüt. So gerne würde ich loslegen. Da dies jedoch nicht geht, verschließe ich mich vor dem Jetzt. In immer wieder gleichen Gedanken plane ich die Umsetzung von dem ein oder anderen. 

Es wird auch unbedingt Zeit, mich mit anderen auszutauschen, mal wieder alles von der Seele zu reden und in geregelten Verhältnissen anzukommen. So viele wirre Gedanken schwirren in meinem Kopf umher. Ich brauche Zeit, meine ganzen Erfahrungen in Ruhe zu verarbeiten. 

 

Da immer der letzte Eindruck bleibt, macht mir dies noch mehr zu schaffen. Ich möchte diese Reise in gutem Gedächtnis behalten. Im Moment spiele ich sogar mit dem Gedanken, den letzten, deutschen Teil zu überspringen, da es in Deutschland wohl überhaupt keine wirkliche Herausforderung für mich geben wird. Hmmm..., mal sehen, wie das noch ausgeht.

In Stockholm kommt nun noch ein Freund für ein paar Tage hinzu. Das wird dann sicherlich auch noch einmal einen Einfluss haben. 

Schauen wir mal.