Deutschland kann doch anders

Mein kurzes Stimmungstief in Schweden, auf Grund der erwarteten Eintönigkeit in Deutschland, ist mit dem heutigen Tag endgültig ungerechtfertigt.

Da es wie aus Eimern schüttet und ich das Angebot bekomme, für eine weitere Nacht zu bleiben, ergibt es sich, dass ich einen weiteren Tag in Teschow (nordöstlich von Lübeck) verbringe. Eigentlich besteht ja auch keine wirkliche Eile ganz schnell nach Hause zu kommen.

 

Der Tag verspricht einiges an Programm. Bereits beim Frühstück entstehen nicht enden wollende Gespräche. 

Die beiden haben eine deutlich anti-kapitalistische Sichtweise, waren bei den friedlichen G20-Demos dabei und leben ein sehr bewusstes Leben. Yoga, Vegetarismus und der Gebrauch von nachhaltig produzierten Lebensmitteln, sind ein klares Zeichen. 

Am Mittag geht es zu einem Dorftreffen namens „Klön Schnack“. In Gemeinschaft wird Kaffee und Kuchen verzehrt und über die neuesten Ereignisse berichtet. 

Entgegen meinen Erwartungen waren die Leute viel offener und humorvoller. Ohne weiteres wurde ich in die Gemeinschaft eingebunden, dabei hatte ich die Erwartungen, dass in einem Dorf in dem nur ca. 50 Menschen leben, vorwiegend sehr konservative Denkweisen verbreitet sind. Völliger Irrtum. 

Das Ganze wird am Abend noch durch einen gemeinsamen Filmabend mit anschließendem Essen übertroffen. Zeitweise wird die Dokumentation (über Städtebau in Metropolen) unterbrochen und wilde Diskussionen entbrennen. Ein sehr gelungener Abend. Und ich hatte gedacht, ich würde in Deutschland nichts wirklich Neues zu sehen / erleben. 

Die Menschen, die man auf der Reise trifft sind die halbe Miete. In der Gemeinschaft wird der Blick auf neue Sichtweisen gelenkt. 

 

Zwischendrin gab es noch eine Besichtigung von einem derzeit renovierten Backhaus. Das tragende Gerüst aus dicken Eichenbalken, mit Holznägeln verbunden. Das Fachwerk komplett mit Lehm und Stöcken ausgekleidet. Ein wahres Stück Geschichte.