Letzte Kilometer und Ankunft

12. Okt:

 

Tagesetappe: Bottrop - Remagen

Tagesdistanz: 148,9 km

 

 

 

13. Okt:

 

Tagesetappe: Remagen - Wiesbaden

Tagesdistanz: 141,8km 

 

Gesamtreise-Kilometer: ca. 7500 km (auf dem Foto unten sind es 7391,4 km, da ich aber an ein paar Tagen den Garmin nicht an hatte,
                                                             sind es also sicher etwas mehr als 7500 km)

 

 

 

Quer durch den Ruhrpott, eine Ampel nach der nächsten, absteigen, anfahren und wieder halten. Was eine nervtötende Fahrt gegen Ende. In diesem Moment schwebt mir nur ein Gedanke im Kopf: „Hallo Deutschland, du hast mich wieder im Griff“. Vor genau drei Monaten habe ich mir mein Rad geschnappt, um diesem Tohuwabohu zu entfliehen. Diese gesellschaftlichen Konventionen, die Welt des Konsums, der Werbung und der vielen Erwartungen hatten mich müde gemacht. Ich musste raus, und das bin ich. 

Nun bin ich wieder dort, von wo ich komme, doch sehe ich dieselben Dinge nun auf andere Weise. 

Wie durch einen Filter, der alles in einer anderen Farbe erstrahlen lässt. 

Den Filter einer 7500 km langen Radreise, durch Kälte und Regen, Höhen und Tiefen, Herausforderungen und Triumphe. Ich bin überaus glücklich, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe. 

 

Am Rhein entlang, durch Köln und Bonn, vorbei an der Loreley fege ich, an diesem letzten Tag wahrnehmungslos dahin. 

Heimkehren. Was bedeutet das eigentlich? Was ist Heimat? Was versprichst du dir von Heimat?

Kein klarer Gedanke ist mehr zu fassen, ein komisches Gefühl. Nach solch einer langen Zeit all die Menschen wieder zu sehen, die man doch so gerne hat. Die letzten Kilometer fahre ich mit einem Affenzahn. Zurück in die Kompfortblase, die sich über die Jahre über Wiesbaden gestülpt hat. Die Straßen sind dieselben wie vor drei Monaten, der Kiosk an der Ecke und das Graffiti an der Hauswand, ... ich fahre die Wilhemstraße entlang, es folgen die Taunusstraße, der Kranzplatz, die Saalgasse, die Nerostraße.... 

 

Noch 30 Meter, dann ist es geschafft. Auf dem Bordstein neben mir rennen die ersten Kinder jubelnd mit mir dem Ziel entgegen. Konfetti fliegt und ich werde eins mit der großen Menschengruppe. Es sind viele gekommen. Mit Schildern der einzelnen Städtenamen, die ich durchfahren habe, in Händen, haben sie auf mich gewartet. Was für eine Ehre. 

Ich hätte im Traum nicht daran gedacht, dass ich so viele Menschen mit diesem Projekt bewegen könnte. Danke an alle, die an mich geglaubt haben, Ihr macht einen großen Teil des Gesamterlebnisses aus. Vielen Dank. 

 

Ein Fremder, der beim Vorbeilaufen von dem Projekt Wind bekommen hatte, kam schließlich zu mir. Das waren seine Worte: 

 

                                                                                „Du bist verrückt, aber ein Held.“