Resümee - Das Ende einer ergreifenden Zeit, der Anfang für alles Neue

 

Da bin ich also, 7500 Kilometer weiter, aber doch an der selben Stelle. Wiesbaden, die Stadt, die ihren Glanz für mich verloren hatte. Jetzt blüht sie wieder. Die herbstliche Blätterpracht haucht dem Blickfeld neues Leben ein und Vögel zwitschern auf denselben Bäumen wie immer. Alles ist beim Alten, aber doch ist alles anders. Damals, vor drei Monaten, habe ich mich als Kind auf den Weg gemacht, um meinen größten Traum zu verwirklichen. Erfüllt von der Hoffnung, als Erwachsener wiederzukehren und die Welt ein wenig besser zu verstehen.

Was ist daraus geworden? Wer bin ich jetzt? Bin ich erwachsen? Wann ist man überhaupt erwachsen?

 

So viel kann ich verraten:

Diese Zeilen schreibe ich, die letzten Sonnenstrahlen genießend, auf meiner selbstgebauten, schwer vermissten Lounge. Ein Kind schreibt diese Zeilen, ein Kind mit gesetzten Zügen.

Im Laufe der Reise habe ich mich entschieden, innerlich Kind zu bleiben. Eine Entscheidung für Neugierde, Spaß an kleinen unbedeutenden Dingen und vor allem an Hemmungslosigkeit.

Kinder haben für mich die Weisheit des Lebens schon gefunden. Sie springen in eine Pfütze, weil sie Lust darauf haben. Wie blöd würden wir (mal ehrlich) dreinschauen, wenn ein Anzugträger mit voller Wucht einen großen Satz in das nächstgelegene Rinnsal machen würde.

Durch die Erziehung und das soziale Umfeld geht diese junge Weisheit des Lebens der Kinder nach und nach verloren. Der Alltag holt sie ein und schwups haben auch sie ihren Platz im Hamsterrad des Lebens gefunden. Einmal drinnen, geht es oft nur schwer wieder heraus.

 

Zurück zum „in die Pfütze springenden Anzugträger“. Du kennst es bestimmt, Momente, in denen man einfach man selbst ist, sich bei Freunden fallen lassen kann und die Hemmungen verliert. Man sagt ungefiltert, was man denkt, tanzt, wie man sich gerade fühlt oder singt, einfach lautstark unter der Dusche. Im Büro undenkbar.

Wie aber, soll man Spaß haben, wenn man sich in allem innerlich rechtfertigen muss? Sollte ich das tun? Was denken dann andere von mir?

Ich bin davon überzeugt, dass man ab dem Moment, in dem man beginnt, dieses Gedankenmuster bewusst zu umgehen (sich vom Strom nicht länger mitreißen zu lassen) das Leben exponentiell an Freude und Glück gewinnt.

So einfach die Theorie, so schwer die Umsetzung.

Ein schmaler Grat zwischen Akzeptanz und Intoleranz der anderen, macht es einem nicht leicht.

Wir Menschen sind auf Sicherheit gepolt, wir lieben geordnete Verhältnisse und ein sicheres Umfeld. Wenn jedoch jemand diesen festen Kreis verlässt, weil er sich mehr im Leben erhofft, kommt dieses ganze Gebilde ins Wanken.

Natürlich könnte man dieser einen Person folgen, auch in Richtung Erfolg streben, aber dafür müsste man sich selbst verändern. Wir Menschen sind faul, Veränderung ist anstrengend, und deswegen suchen wir uns den leichtesten Weg.

Viel leichter als uns zu verändern scheint es, den „Ausbrecher“ wieder in die geordneten Verhältnisse zurückzuholen.

Der Versuch missglückt, neue konträre Weltbilder entstehen, und mit einem Mal passt es gar nicht mehr.

 

Die Entscheidung, gegen den Strom zu schwimmen, kostet viel. Menschen werden gehen, neue werden kommen. Herausforderungen werden härter, dafür der Erfolg größer. Krisen werden emotionaler, dafür der Aufschwung rasanter.

Ich persönlich habe diese Entscheidung für mich getroffen. Das Leben hat so viel zu bieten, wieso also dessen Fülle nicht auskosten.

Viele sprechen darüber, was für einen Beruf sie in ihrem nächsten Leben ausüben würden.

Warum nicht in diesem Leben?

 

Mein Motto: “Man ist erst dann verloren, wenn man sich selbst aufgegeben hat.“

Jeder kann seinen Traum verwirklichen, auch ein 18-jähriger Junge ohne große Lebenserfahrung, mit kindlichen Zügen, der auf die verrückte Idee gekommen ist, alleine mit dem Fahrrad 7500 km zu fahren und jede Nacht im Zelt zu schlafen.

 

Der erste Schritt? Sprenge die Ketten, verwirkliche deinen Traum, mach dich auf eine Reise außerhalb deiner Komfortzone. Gieße ein Fundament, in dem du dir die Frage stellst, welches Ziel du im Leben verfolgen möchtest und forme daraus eine Vision. Nimm dir Zeit, neue Menschen kennen zu lernen, die bereits ein Stück auf dem von dir neu gewählten Weg gegangen sind. Habe Spaß und genieße den Moment.

 

Die Reise hat mein Fundament gegossen. Von nun an werde ich Etage für Etage ein gigantisches Hochhaus darauf errichten.

 

Eines kann ich mit vollster Sicherheit sagen. Diese Reise war die wichtigste Zeit meines bisherigen Lebens. Deshalb möchte ich mich ganz besonders bei all denen bedanken, die Anteil über meinen Blog hatten. Vielen Dank, dass ihr mir auch in den Krisen Mut zugesprochen habt und an den Höhen teilhattet.

 

Phhuuu das war es dann wohl vorerst, was für eine Zeit!

Ich hoffe der Blog (mein Bericht) hat nicht nur mir nachwirkend etwas gebracht, sondern auch in euch einen kleinen Lichtschein aufglimmen lassen. Es würde mich unglaublich freuen, wenn dieses Licht an Stärke gewinnt und Ihr mir eines Tages von eurem Abenteuer erzählt.

Danke für die Zeit, die Ihr mir geschenkt habt.

 

 

Theo