Der Reise-Blog für Ausreißer



Resümee - Das Ende einer ergreifenden Zeit, der Anfang für alles Neue

 

Da bin ich also, 7500 Kilometer weiter, aber doch an der selben Stelle. Wiesbaden, die Stadt, die ihren Glanz für mich verloren hatte. Jetzt blüht sie wieder. Die herbstliche Blätterpracht haucht dem Blickfeld neues Leben ein und Vögel zwitschern auf denselben Bäumen wie immer. Alles ist beim Alten, aber doch ist alles anders. Damals, vor drei Monaten, habe ich mich als Kind auf den Weg gemacht, um meinen größten Traum zu verwirklichen. Erfüllt von der Hoffnung, als Erwachsener wiederzukehren und die Welt ein wenig besser zu verstehen.

Was ist daraus geworden? Wer bin ich jetzt? Bin ich erwachsen? Wann ist man überhaupt erwachsen?

 

So viel kann ich verraten:

Diese Zeilen schreibe ich, die letzten Sonnenstrahlen genießend, auf meiner selbstgebauten, schwer vermissten Lounge. Ein Kind schreibt diese Zeilen, ein Kind mit gesetzten Zügen.

Im Laufe der Reise habe ich mich entschieden, innerlich Kind zu bleiben. Eine Entscheidung für Neugierde, Spaß an kleinen unbedeutenden Dingen und vor allem an Hemmungslosigkeit.

Kinder haben für mich die Weisheit des Lebens schon gefunden. Sie springen in eine Pfütze, weil sie Lust darauf haben. Wie blöd würden wir (mal ehrlich) dreinschauen, wenn ein Anzugträger mit voller Wucht einen großen Satz in das nächstgelegene Rinnsal machen würde.

Durch die Erziehung und das soziale Umfeld geht diese junge Weisheit des Lebens der Kinder nach und nach verloren. Der Alltag holt sie ein und schwups haben auch sie ihren Platz im Hamsterrad des Lebens gefunden. Einmal drinnen, geht es oft nur schwer wieder heraus.

 

Zurück zum „in die Pfütze springenden Anzugträger“. Du kennst es bestimmt, Momente, in denen man einfach man selbst ist, sich bei Freunden fallen lassen kann und die Hemmungen verliert. Man sagt ungefiltert, was man denkt, tanzt, wie man sich gerade fühlt oder singt, einfach lautstark unter der Dusche. Im Büro undenkbar.

Wie aber, soll man Spaß haben, wenn man sich in allem innerlich rechtfertigen muss? Sollte ich das tun? Was denken dann andere von mir?

Ich bin davon überzeugt, dass man ab dem Moment, in dem man beginnt, dieses Gedankenmuster bewusst zu umgehen (sich vom Strom nicht länger mitreißen zu lassen) das Leben exponentiell an Freude und Glück gewinnt.

So einfach die Theorie, so schwer die Umsetzung.

Ein schmaler Grat zwischen Akzeptanz und Intoleranz der anderen, macht es einem nicht leicht.

Wir Menschen sind auf Sicherheit gepolt, wir lieben geordnete Verhältnisse und ein sicheres Umfeld. Wenn jedoch jemand diesen festen Kreis verlässt, weil er sich mehr im Leben erhofft, kommt dieses ganze Gebilde ins Wanken.

Natürlich könnte man dieser einen Person folgen, auch in Richtung Erfolg streben, aber dafür müsste man sich selbst verändern. Wir Menschen sind faul, Veränderung ist anstrengend, und deswegen suchen wir uns den leichtesten Weg.

Viel leichter als uns zu verändern scheint es, den „Ausbrecher“ wieder in die geordneten Verhältnisse zurückzuholen.

Der Versuch missglückt, neue konträre Weltbilder entstehen, und mit einem Mal passt es gar nicht mehr.

 

Die Entscheidung, gegen den Strom zu schwimmen, kostet viel. Menschen werden gehen, neue werden kommen. Herausforderungen werden härter, dafür der Erfolg größer. Krisen werden emotionaler, dafür der Aufschwung rasanter.

Ich persönlich habe diese Entscheidung für mich getroffen. Das Leben hat so viel zu bieten, wieso also dessen Fülle nicht auskosten.

Viele sprechen darüber, was für einen Beruf sie in ihrem nächsten Leben ausüben würden.

Warum nicht in diesem Leben?

 

Mein Motto: “Man ist erst dann verloren, wenn man sich selbst aufgegeben hat.“

Jeder kann seinen Traum verwirklichen, auch ein 18-jähriger Junge ohne große Lebenserfahrung, mit kindlichen Zügen, der auf die verrückte Idee gekommen ist, alleine mit dem Fahrrad 7500 km zu fahren und jede Nacht im Zelt zu schlafen.

 

Der erste Schritt? Sprenge die Ketten, verwirkliche deinen Traum, mach dich auf eine Reise außerhalb deiner Komfortzone. Gieße ein Fundament, in dem du dir die Frage stellst, welches Ziel du im Leben verfolgen möchtest und forme daraus eine Vision. Nimm dir Zeit, neue Menschen kennen zu lernen, die bereits ein Stück auf dem von dir neu gewählten Weg gegangen sind. Habe Spaß und genieße den Moment.

 

Die Reise hat mein Fundament gegossen. Von nun an werde ich Etage für Etage ein gigantisches Hochhaus darauf errichten.

 

Eines kann ich mit vollster Sicherheit sagen. Diese Reise war die wichtigste Zeit meines bisherigen Lebens. Deshalb möchte ich mich ganz besonders bei all denen bedanken, die Anteil über meinen Blog hatten. Vielen Dank, dass ihr mir auch in den Krisen Mut zugesprochen habt und an den Höhen teilhattet.

 

Phhuuu das war es dann wohl vorerst, was für eine Zeit!

Ich hoffe der Blog (mein Bericht) hat nicht nur mir nachwirkend etwas gebracht, sondern auch in euch einen kleinen Lichtschein aufglimmen lassen. Es würde mich unglaublich freuen, wenn dieses Licht an Stärke gewinnt und Ihr mir eines Tages von eurem Abenteuer erzählt.

Danke für die Zeit, die Ihr mir geschenkt habt.

 

 

Theo

Letzte Kilometer und Ankunft

12. Okt:

 

Tagesetappe: Bottrop - Remagen

Tagesdistanz: 148,9 km

 

 

 

13. Okt:

 

Tagesetappe: Remagen - Wiesbaden

Tagesdistanz: 141,8km 

 

Gesamtreise-Kilometer: ca. 7500 km (auf dem Foto unten sind es 7391,4 km, da ich aber an ein paar Tagen den Garmin nicht an hatte,
                                                             sind es also sicher etwas mehr als 7500 km)

 

 

 

Quer durch den Ruhrpott, eine Ampel nach der nächsten, absteigen, anfahren und wieder halten. Was eine nervtötende Fahrt gegen Ende. In diesem Moment schwebt mir nur ein Gedanke im Kopf: „Hallo Deutschland, du hast mich wieder im Griff“. Vor genau drei Monaten habe ich mir mein Rad geschnappt, um diesem Tohuwabohu zu entfliehen. Diese gesellschaftlichen Konventionen, die Welt des Konsums, der Werbung und der vielen Erwartungen hatten mich müde gemacht. Ich musste raus, und das bin ich. 

Nun bin ich wieder dort, von wo ich komme, doch sehe ich dieselben Dinge nun auf andere Weise. 

Wie durch einen Filter, der alles in einer anderen Farbe erstrahlen lässt. 

Den Filter einer 7500 km langen Radreise, durch Kälte und Regen, Höhen und Tiefen, Herausforderungen und Triumphe. Ich bin überaus glücklich, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe. 

 

Am Rhein entlang, durch Köln und Bonn, vorbei an der Loreley fege ich, an diesem letzten Tag wahrnehmungslos dahin. 

Heimkehren. Was bedeutet das eigentlich? Was ist Heimat? Was versprichst du dir von Heimat?

Kein klarer Gedanke ist mehr zu fassen, ein komisches Gefühl. Nach solch einer langen Zeit all die Menschen wieder zu sehen, die man doch so gerne hat. Die letzten Kilometer fahre ich mit einem Affenzahn. Zurück in die Kompfortblase, die sich über die Jahre über Wiesbaden gestülpt hat. Die Straßen sind dieselben wie vor drei Monaten, der Kiosk an der Ecke und das Graffiti an der Hauswand, ... ich fahre die Wilhemstraße entlang, es folgen die Taunusstraße, der Kranzplatz, die Saalgasse, die Nerostraße.... 

 

Noch 30 Meter, dann ist es geschafft. Auf dem Bordstein neben mir rennen die ersten Kinder jubelnd mit mir dem Ziel entgegen. Konfetti fliegt und ich werde eins mit der großen Menschengruppe. Es sind viele gekommen. Mit Schildern der einzelnen Städtenamen, die ich durchfahren habe, in Händen, haben sie auf mich gewartet. Was für eine Ehre. 

Ich hätte im Traum nicht daran gedacht, dass ich so viele Menschen mit diesem Projekt bewegen könnte. Danke an alle, die an mich geglaubt haben, Ihr macht einen großen Teil des Gesamterlebnisses aus. Vielen Dank. 

 

Ein Fremder, der beim Vorbeilaufen von dem Projekt Wind bekommen hatte, kam schließlich zu mir. Das waren seine Worte: 

 

                                                                                „Du bist verrückt, aber ein Held.“

Ein Quäntchen Glück

Tagesetappe: Bielefeld - Bottrop

Tagesdistanz: 137,3km

 

Hier könnte nun, wie in den letzten Berichten, genau dasselbe über das Wetter und die Landschaft stehen, daher überspringe ich diesen Teil.

 

So schnell gingen die letzten Wochen vorbei. Vor nicht allzu langer Zeit schien mir die Heimat noch so fern. Mittlerweile befinde ich mich keine zwei Tage mehr von meinem weichen Bett entfernt. 

Der Alltag hat sich in den vergangenen Monaten drastisch geändert. Ein roter Faden, Regeln und Beständigkeit im Alltag, ein totaler Gegensatz zu meiner derzeitigen Situation. Mal sehen, wie ich diesen Umbruch zu Hause wieder empfinde.

 

Zurück zum heutigen Tag. Während mir das oben Geschriebene durch den Kopf  jagt (vor allem, dass ich nur noch zwei Nächte im Zelt verbringen werde), entsteht der Wunsch, ein letztes Mal ausgiebig zu kochen.

 

Kurzerhand geht es ein zweites Mal am heutigen Tag in Richtung Supermarkt.

Vor dem Gebäude erstrecken sich Pavillons. Viele Kinder rennen wild durcheinander. An Bierbänken sitzen weitere Kinder und auch Erwachsene und schnitzen Gesichter in Kürbisse. Mitarbeiter des Supermarktes tragen Hexenhüte und Süßigkeiten werden verteilt. Es scheint vorgezogenes Halloween zu sein, schließlich ist ja noch nicht Ende Oktober, oder ist mir etwa die Zeit abhanden gekommen? Nein, mein

Handy bestätigt den 11. Oktober.

Eine Mitarbeiterin spricht mich kurzerhand an, da ich in das ganze Geschehen offensichtlich irgendwie nicht passe.

Scheinbar beeindruckt von meiner Tour, und vielleicht um mir weitere Energie zu verabreichen, gibt es für mich auch einige Schokoriegel und Gummibärchen gratis. Der Einkauf hat sich mehr als gelohnt. Was habe ich für ein Glück!

Wie ich in Gesprächen erfahre, ist der besagte Supermarkt "CAP", zur Diakonie gehörig. Daher verfolgen sie ein spezielles Konzept, bei dem behinderte Menschen in einen Teil der Arbeit integriert sind. Eine wirklich klasse Sache.

 

Wenig später, tief im Wald, schmause ich den gekauften Rosenkohl zu Tortellini mit Käse-Sahne-Soße. Wie lecker! Zum Nachtisch gibt es einige der geschenkten Schokoriegel. 

 

Grau und Nass

9.Okt:

 

Tagesetappe: Bad Bevensen -Wunstorf   

Tagesdistanz:  144,6 km

 

10. Okt:

 

Tagesetappe: Wunstorf - Bielefeld  

Tagesdistanz: 100 km

 

Seit zwei Tagen sieht man keinen Unterschied mehr zwischen Horizont und Wolken. Alles ist in ein dunkles Grau getaucht. Gelegentlich regnet es, ansonsten spritzt einem die Nässe von der Straße entgegen. Haus um Haus, Kurve um Kurve nichts Neues. Eigentlich genau so, wie ich mir das Fahren in Deutschland vorgestellt habe, nur dass es mich gegen meine Erwartungen nicht herabzieht. 

Autos hinter mir, neben mir und vor mir. Alleine, wie im Norden, bin ich keineswegs mehr. 

Ich kann mich glücklich schätzen, wenn ich einmal durch einen Wald fahre. Und wenn es dazu kommt, sind die Wege oft von umgestürzten Bäumen versperrt. Das Wettertief in den vergangen Tagen hat einiges an Schaden angerichtet. 

Nach Schweden hätte ich nicht gedacht, dass ich mir Wälder so schnell wieder herbeiwünsche. Überall ist es bebaut, die Natur wurde vertrieben.   

Diese ganzen Umstände entmutigen mich jedoch überhaupt nicht, sie entfachen viel mehr meine Freude, heimzukehren. 

 

Die Wahl eines Schlafplatzes liegt mittlerweile auch nicht mehr wirklich in meiner Hand. Es bleibt mir nichts anderes übrig als das zu nehmen, was sich ergibt. So schlafe ich heute in einem Graben zwischen zwei Feldern. Keine hundert Meter von meinen Füßen entfernt verläuft eine Bundesstraße und in meinem Nacken stehen eine Hand voll Häuser.  

Back to the street

Tagesetappe: Lübeck - Lüneburg 

Tagesdistanz: 117 km

 

Die Schönheit des Nordens zeigt sich von ihrer besten Seite. Bei strahlendem Sonnenschein fahre ich durch Alleen, die von dicken Eichen beschattet werden. Rund herum weite Felder und Wiesen. 

Mein erster Halt ist in Mölln, der Heimat des Till Eulenspiegel. Umgeben von einem Kanal trozt die Kirche auf einer kleinen Anhöhe empor. 

In der Umgebung von Mölln stoße ich auf den Lübeck-Elbe-Kanal. Es läuft wie am Schnürchen. Sonne, Rückenwind, gut ausgebaute Radwege entlang einem wunderschönen Deich. 

Mit schöner Aussicht in Lauenburg auf die Elbe und einer fantastischen Altstadt, schlage ich eine letzte Pause ein. 

Bis in das Abendgrauen radle ich auf dem Deich eines Elbe-Seitenkanal dem Süden entgegen. 

 

Hoffentlich kann ich diese Seite von Deutschland in guter Erinnerung halten. Die nächsten, meine letzten Tage, soll es nämlich Regnen.  

Deutschland kann doch anders

Mein kurzes Stimmungstief in Schweden, auf Grund der erwarteten Eintönigkeit in Deutschland, ist mit dem heutigen Tag endgültig ungerechtfertigt.

Da es wie aus Eimern schüttet und ich das Angebot bekomme, für eine weitere Nacht zu bleiben, ergibt es sich, dass ich einen weiteren Tag in Teschow (nordöstlich von Lübeck) verbringe. Eigentlich besteht ja auch keine wirkliche Eile ganz schnell nach Hause zu kommen.

 

Der Tag verspricht einiges an Programm. Bereits beim Frühstück entstehen nicht enden wollende Gespräche. 

Die beiden haben eine deutlich anti-kapitalistische Sichtweise, waren bei den friedlichen G20-Demos dabei und leben ein sehr bewusstes Leben. Yoga, Vegetarismus und der Gebrauch von nachhaltig produzierten Lebensmitteln, sind ein klares Zeichen. 

Am Mittag geht es zu einem Dorftreffen namens „Klön Schnack“. In Gemeinschaft wird Kaffee und Kuchen verzehrt und über die neuesten Ereignisse berichtet. 

Entgegen meinen Erwartungen waren die Leute viel offener und humorvoller. Ohne weiteres wurde ich in die Gemeinschaft eingebunden, dabei hatte ich die Erwartungen, dass in einem Dorf in dem nur ca. 50 Menschen leben, vorwiegend sehr konservative Denkweisen verbreitet sind. Völliger Irrtum. 

Das Ganze wird am Abend noch durch einen gemeinsamen Filmabend mit anschließendem Essen übertroffen. Zeitweise wird die Dokumentation (über Städtebau in Metropolen) unterbrochen und wilde Diskussionen entbrennen. Ein sehr gelungener Abend. Und ich hatte gedacht, ich würde in Deutschland nichts wirklich Neues zu sehen / erleben. 

Die Menschen, die man auf der Reise trifft sind die halbe Miete. In der Gemeinschaft wird der Blick auf neue Sichtweisen gelenkt. 

 

Zwischendrin gab es noch eine Besichtigung von einem derzeit renovierten Backhaus. Das tragende Gerüst aus dicken Eichenbalken, mit Holznägeln verbunden. Das Fachwerk komplett mit Lehm und Stöcken ausgekleidet. Ein wahres Stück Geschichte.   

Es kann weiter gehen

Bei schönstem Wetter helfe ich heute Peter ein wenig im Garten aus, Brennholz schichten und Fließen schneiden. 

Gestern Abend ist noch eine Tante von Peter vorbei gekommen, und wir haben uns gemeinsam Bilder meiner Reise angeschaut. Wie lange manches für mich schon her ist und irgendwie in weiter Vergangenheit scheint. 

 

Gegen Mittag, der entscheidende Anruf. Die Teile sind angekommen, das Fahrrad ist fast fertig. Was für eine Erleichterung. Ohne weiteres geht es mit dem Bus zurück nach Lübeck. 

 

Ich habe es ehrlich gesagt nicht für möglich gehalten, dass mal etwas reibungslos klappt. Aber tatsächlich, dort steht mein Fahrrad, wie neu, und so fährt es sich nun auch. - Zurück fliege ich förmlich. -

 

Es ist fast geschafft. 6600 km sind mittlerweile auf dem Kilometerzähler. Ca. 600 km fehlen noch. Morgen wird es in aller Frühe weiter gehen. 

 

Welch ein Glück! Ich freue mich richtig!

 

 

 

Bevor ich mich morgen auf den Weg mache, muss ich Euch aber hier die weltbeste vegane Nutella von Peter vorstellen. Einfach nur köstlich!, und schon in dieser Hinsicht hat sich mein Zwischenstopp in Selmsdorf mehr als gelohnt!!! 

 

Peters Rezept: 

 

Vegane „Nutella“ – aber besser! 
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250 g eingeweichte Datteln (am besten eignen sich Medjool Datteln) 
100 ml Wasser Handvoll Haselnüsse 50 ml Kokosöl, 50 g Kakaopulver (pur) 
1 TL Vanillepulver 
Das Wasser und die Haselnüsse im Mixer auf höchster Stufe zu einer Haselnussmilch verarbeiten. Anschließend die restlichen Zutaten hinzugeben und ebenfalls auf höchster Stufe mixen, bis eine gleichmäßige, cremige Konsistenz entsteht. Je nach Mixer eventuell noch einen Schluck Flüssigkeit hinzugeben (am besten jedoch so wenig Flüssigkeit wie möglich). In ein Glas füllen und genießen. Die Schokocreme schmeckt super auf selbst gemachtem Brot (z.B. Walnussbrot).

  

Die Hiobsbotschaft

Natürlich konnte es bei alldem gestern nicht bleiben. 

Da ich nun notgedrungen mehrere Tage in Lübeck verbringen muss, habe ich mir erneut über Couchsurfing einen Kontakt organisiert. 16 Kilometer entfernt von Lübeck in einer alten Scheune, nahe der Trave in Teschow, wohnt Peter mit seiner Frau. 

Ohne weiteres ist es jedoch nicht so leicht mit der öffentlichen Verkehrsanbindung dieses Heim zu erreichen.

Meinen schwer bepackten Anhänger teils tragend, teils schiebend, wuchte ich mich von einem in den nächsten Bus, bis ich endlich nach langer Suche die richtige Anbindung finde.

Der Bus, der mich zu meinem neuen Schlafplatz in Selmsdorf bringen soll, rollt ein, doch die hinteren Türen bleiben verschlossen. Eine "hitzige" Diskussion mit dem Busfahrer entsteht. Partout will er mich nicht mit dem Anhänger hinein lassen. Aus Angst den Boden des Busses mit dem Anhänger zu zerkratzen, verwehrt er mir den Eintritt. Nichts hilft, aber auch gar nichts. Die Türen schließen und der Bus rollt an, ohne mich, bezahlt hatte ich das Ticket allerdings schon zuvor. Na Klasse. Was nun? 

Das war eine Nummer zu viel! Eine Stunde müsste ich auf den nächsten Bus warten, im Regen, und dann vielleicht das gleiche Spiel? Nein.

Nach einer halben Stunde stehe ich so ein zweites Mal vor der Rezeption des Hostels von gestern und buche eine weitere Nacht. 

In der Zwischenzeit hatte sich ebenfalls die Werkstatt gemeldet. Nicht nur das Lager ist kaputt, gleich die ganze Kurbel ist im Eimer. Welch eine Hiobsbotschaft?! Zu dem Zeitpunkt stand für mich fest, morgen sitze ich im Zug nach Hause. 

Schließlich kam es dann doch anders: Paul, ein Freund / Sponsor von Tri Cycles, hat glücklicherweise die passenden Teile auf Lager, die es in ganz Lübeck nicht aufzufinden gibt. 

Per Express schickt er die Teile heute noch direkt an den Fahrradladen, damit das Fahrrad hoffentlich morgen wieder fahrbereit ist. 

 

 

Des weiteren habe ich mich heute dann doch in Peters umgebauter Scheune eingefunden, nachdem Peter mich und meinen Anhänger mit dem Auto netterweise in Lübeck direkt abgeholt hat. 

 

Mal sehen ob die Fahrradinstandsetzung morgen nun so klappt, wie erhofft.

Jedenfalls genieße ich jetzt erst mal die ländliche Luft, die schöne Umgebung in Selmsdorf und Peters tolle Gastfreundschaft.  

Es läuft mal wieder nichts

Ein Tretlager zu wechseln ist kein Hexenwerk. Es braucht eigentlich nur ein wenig Zeit, doch man bennötigt natürlich das passende Ersatzteil. Dass das in einer Stadt, die mehr als zwanzig Fahrradläden in der näheren Umgebung hat, zum Problem werden könnte, ist mir nicht einmal im Traum gekommen. 

Gestärkt von einem unglaublich reichhaltigen Frühstück im Hostel (Altstadthostel-Lübeck), gehe ich voller Tatendrang zum ersten Fahrradladen. Gleich der erste Schlag ins Gesicht: Am 20. November hätten sie erst wieder Zeit, sich meinem Fahrrad zu widmen. Bei den nächsten sieben Fahrradläden genau das selbe Problem. 

Wie viele Fahrräder muss es denn bitte in dieser Stadt geben, dass wirklich keiner auch nur kurz mein Fahrrad dazwischen schieben kann? Mittlerweile versuche ich bettelnd weiter zu kommen, biete extra Geld und einen Platz für den Fahrradladen auf meiner Homepage. Nichts. 

Die Füße schon schlapp vom Gehen, versuche ich das elfte Mal mein Glück und finde dieses Mal sogar jemanden, der zumindest Zeit hat, das Teil in den nächsten Tagen auszutauschen. Doch ein weiteres Problem "rollt" an. Es gibt viel zu viele verschiedene Tretlager auf dem Markt. Natürlich haben sie kein passendes auf Lager. Hinzu kommt, dass man die Typenbezeichnung erst ablesen kann, wenn man das Tretlager ausgebaut hat. Kurz gesagt, mir bleibt nichts anderes als zu warten und schlussendlich mittels Express-Versand ein neues Teil an die Werkstatt schicken zu lassen, sobald ich die Typenbezeichnung kenne. 

Zwischenzeitlich saß ich in Gedanken schon im Zug nach Hause. Wieso bitte so kurz vor dem Ende, aber immerhin auf jeden Fall besser hier, als oben am Nordkap ;-), oder sonstwo in der Walachei ohne Zuganbindung....? Ich muss wohl geduldig abwarten (obwohl ich im Moment total ungeduldig bin) und dann eine Entscheidung treffen.

 

Dementsprechend ist meine gute Laune heute ins Bodenlose gesunken. Es kotzt mich so an. Entschuldigung, aber diese Ungewissheit setzt mir so kurz vor dem eigentlichen Ziel / Ende irgendwie zu. 

Zurück auf deutschem Boden

Tagesetappe: Rodby (DK) -  Deutschland: Puttgarden auf Fehmarn - Lübeck

Tagesdistanz: 0 km mit dem Fahrrad, ca. 90 km mit dem Zug

 

Wow, was für ein Gefühl. Nach solch einer langen Zeit wieder in Deutschland. Mittlerweile ist es für mich dermaßen komisch geworden, dass alle um mich herum meine Sprache sprechen. Gelegentlich passierte es heute, dass ich Leute auf Englisch anspreche. Unbewusst lausche ich den Konversationen anderer Menschen. Es fühlt sich ein wenig so an, als hätte ich eine Art Erleuchtung, mit plötzlich verstehe ich wieder  alles. 

Wie bereits gestern beschrieben, ist mein Fahrrad leider unbefahrbar. Eine Werkstadt muss her. Das einzige Problem:

Auf Fehmarn, einer Halbinsel an der Ostseeküste (die Fähre, mit der ich gefahren bin, führt von Rodby nach Puttgarden), gibt es nur leider keinen Fahrradladen und schon gar nicht am Tag der deutschen Einheit. 

Die beste Möglichkeit, die bleibt, ist der Zug nach Lübeck. Dort wird dann hoffentlich morgen wieder alles am Laufen sein. 

In der Altstadt finde ich nach kurzer Suche ein nettes Hostel und lerne zudem einen gleichaltrigen Schweden kennen. Gemeinsam schlagen wir uns die Bäuche bei einem Italiener voll und tauschen die Erfahrungen aus. Es stellt sich heraus, das viele seiner Ansätze den meinigen gleichen.

 

Ps: schon witzig, dass ich ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit nach langem wieder nach Deutschland zurückkehre.